24.02.2004 08:50 Uhr,
21 Gramm ("21 Grams")
Der Collegeprofessor Paul (Sean Penn) wartet auf eine Herztransplantation. Seine Ehe mit Mary steht vor dem Aus ? nicht nur wegen ihres bisher unerfüllten Kinderwunsches. Auch Mary sucht ärztliche Hilfe: Sie will eine künstliche Befruchtung.
Der Ex-Strafgefangene Jack (Benicio Del Toro) will seine Vergangenheit hinter sich lassen und seiner Familie ein anständiges Leben ermöglichen. Dabei setzt er auf die Kraft des christlichen Glaubens ? was jedoch so manches Mal fanatische Züge annimmt.
Und da ist noch Christina (Naomi Watts), die einen Schlußstrich unter eine offenbar wilde Zeit gezogen hat. Nun lebt sie in einer harmonischen Ehe und ist glückliche Mutter von zwei kleinen Mädchen. Doch dann wird auch Christina ins Krankenhaus gerufen..

Wie in einem Puzzle werden in der ersten halben Stunde von 21 GRAMM kleine Teile auf die Leinwand geworfen. Kleine Ausschnitte aus den Leben dreier Figuren, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch wie schon in seinem preisgekrönten Vorgängerfilm AMORES PERROS läßt Regisseur Alejandro González Inárritu das Schicksal in Form eines Unfalls zuschlagen. Wie sich daraufhin die Leben von Paul, Christina und Jack ineinander verknoten, erzählt 21 GRAMM in einem geradezu meditativen Tempo, das die Entwicklung jedes einzelnen von ihnen auf mitunter schmerzhafte Weise nachfühlen läßt.
Inárritus Film scheut nicht die großen Themen wie Liebe, Verlust, Schuld, Rache, Hoffnung oder Erlösung ? keine leichte Kost also. 21 GRAMM bietet vielmehr jede Menge Stoff zum Nachdenken ? und das setzt sich auf der Ebene der Handlungsstränge fort. Denn auch nach der Ouvertüre bleibt 21 GRAMM ein Puzzle. Wenn der Zuschauer sich auf das nicht-chronologisch erzählte Geschehen einläßt und den automatischen Interpretationsimpuls auszuschalten, funktioniert es erstaunlich gut.
Was 21 GRAMM außerdem zu einem sehenswerten Film macht, ist die großartige visuelle Umsetzung. Die Verwendung unterschiedlicher Farben und Filmmaterialien unterstreicht die Emotionen der Figuren. Die Handkamera verstärkt den Eindruck von Authentizität und wirkt nie manieriert. Lobend ist auch der angenehm unaufdringliche Einsatz der Filmmusik zu erwähnen.
Von Sean Penn ? der hier einmal eher untypisch gecastet wurde ? ist man besondere Schauspielkunst, wie zuletzt in MYSTIC RIVER, ohnehin gewohnt. Doch auch Naomi Watts knüpft nahtlos an ihre Leistung in Davids Lynchs MULHOLLAND DRIVE an, und Benicio Del Toro übertrifft sich selbst. So ist 21 GRAMM auch als großes Schauspielerkino ein echtes Highlight.

Drama, USA 2003
Regie: Alejandro González Inárritu
mit Sean Penn, Benicio Del Toro, Naomi Watts, Charlotte Gainsbourg, Melissa Leo
Länge: 125 min

von Jessica Düster

In Pauls Ehe kriselt es