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23.03.2004 08:50 Uhr, Frühling, Sommer, Herbst, Winter und...Frühling ("Bom, yeoreum, gaeul, gyeowool, geurigo, bom") Ein kunstvoll verziertes Holztor öffnet sich. Dahinter verschluckt ein von Bergen umgebener See alle Misstöne des hektischen Alltags. Auf einer Art Floß mitten auf dem See wohnt ein alter Mönch mit seinem kleinen Lehrling. Der Kontakt zur Außenwelt kann nur durch ein kleines Ruderboot hergestellt werden, das am Floß angebunden ist. Nachdem der Junge eines Tages drei Tieren jeweils einen kleinen Stein angebunden hat, wacht er am nächsten Morgen mit einem großen und schweren Stein auf dem Rücken auf mit der Aufgabe, die Tiere zu befreien. Der Junge lernt seine Lektion, denn ein Tier ist schon verendet. Er weint genauso bitterlich wie seine Freude an seinem Streich zuvor groß war. Wie eine obere Instanz steht der alte Mönch hinter ihm auf einem Felsen, die erste Erfahrung des Verlusts beobachtend. So vergehen die Jahreszeiten, so entwickelt sich der Junge zu einem verantwortungsbewussten Teenager, dessen natürliche Bedürfnisse bald auf die Probe gestellt werden, als eine Mutter ihre Tochter zu dem Mönch bringt, um sie von einer mysteriösen Krankheit heilen zu lassen. Im Laufe des Regenerationsprozesses bringen die beiden Jugendlichen das Immunsystem des Mädchens nicht nur durch das Sammeln und Verwerten von Kräutern wieder auf Touren, sondern auch durch nächtliche Regelbrüche: In dem kleinen Tempel auf dem Floß gibt es keine Wände, aber dennoch zwei Türen, die den Gästebereich vom restlichen Bereich abtrennen. Wie der Teenager verstohlen nicht durch die Türen, sondern quasi durch die Wand von seiner Schlafmatte zu der des Mädchens hinüberschleicht, ist eine der zahlreichen symbolischen Szenen des Films: Der erstmalige Verstoß gegen eine Regel, die zuvor niemals auch nur in Frage gestellt wurde, ist nur der Anfang. Das Mädchen ist bald geheilt und kann zu ihrer Mutter in die Stadt zurückkehren. Kurz entschlossen packt der Junge eine kleine Buddhafigur und seine restlichen Sachen, um sie zum Anlegesteg zu rudern - und für Jahre nicht zurückzukehren. Diese kleine Buddhafigur reicht jedoch nicht, um die Askese und Gelassenheit in die entfernte Stadt zu transferieren: Jahre später kehrt ein veränderter junger Mann zu seinem alten Lehrer zurück. Seine wilden Flüche und Hasstiraden scheinen den alten Mönch nicht zu überraschen, das Leben in einer weltlichen Atmosphäre ist eben schwierig und anstrengend - und es streckt seine Fühler in Form von zwei geduldigen Polizisten auch bis in die Abgeschiedenheit aus. Wie diese beiden in die pädagogisch-reinigende Maßnahme des alten Mönches eingebunden werden und die beiden Welten direkt aufeinanderprallen, ist wohl eine der beeindruckendsten Szenen des Films. Der junge Mann findet durch eiserne Disziplin wieder zu sich selbst, geläutert von einer Art geistigen und geografischen Odyssee. Der alte Mönch hingegen hat seine Lebensaufgabe bald erfüllt und weiß, was zu tun ist... Regisseur Kim-Ki Duk, gleichzeitig auch der Darsteller des alten Mönches in der Schlussepisode, erzählt mit poetischen Bildern vom ewigen Kreislauf des Lebens. Und dies geschieht ganz ursprünglich, also zurück zur Natur, hin zur inneren Ausgeglichenheit. Am Anfang einer jeden Episode des Films wird das Holztor geöffnet wie ein Märchenbuch. So tritt der Zuschauer ein in eine völlig fremde und asketische Welt im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter. Die Konsequenz des Mönches in Erziehung, Buddhismus und Weltanschauung mutet vielleicht fremd an, ist aber gleichzeitig beeindruckend und zutiefst menschlich. Man beobachtet die rührende Entwicklung des kleinen Jungen, der der Welt noch so unbefangen gegenüber steht. Als Teenager wird er parabelhaft vom hektischen Stadtleben infiziert. Fast schon biblisch ist hierbei das Motiv der Frau, die hier als schlangenhaftes Symbol der weltlichen Laster dient und den Lehrling zumindest vorübergehend auf den Pfad der Un-Tugend führt. Die exzellente Kameraführung fängt die Jahreszeiten mit all ihrer Kälte und Wucht, aber auch mit all ihrer Schönheit und Farbenvielfalt ein. Dazu trägt auch die Wahl des Schauplatzes bei: Niemals verlässt die Kamera die augenscheinliche Idylle des Bergsees. Die darstellerischen Leistungen sind durchweg überzeugend. Das ist umso bemerkenswerter, da schließlich gleich jeweils drei Schauspieler in die Rolle des alten Mönches und die seines Schülers schlüpfen mussten, um die Zeitsprünge glaubhaft zeigen zu können. Zusätzlich gibt es nur wenige Dialoge, was sowohl als Unterstützung als auch als Schwierigkeit für die Rollenentwicklung dienen kann. Dennoch erscheinen die Figuren homogen und präzise gezeichnet. Der Mönch bleibt stets stoisch und relativ ungerührt, der Lehrling weint und lacht als Kind, schreit und wütet als junger Mann und entwickelt sich als erwachsener Mann in dieselbe ausgeglichene Richtung wie sein Lehrmeister. Das autarke System der Abgeschiedenheit wird daher immer wieder mit denselben Protagonisten besetzt. Wie die vier Jahreszeiten unseres Kalenders ist schließlich auch der Kreislauf von Leben und Tod unaufhaltbar. Drama, Südkorea/Deutschland 2003 Regie: Kim-Ki Duk Darsteller: Yeong-su Oh, Jong-ho Kim, Yae-kyeong Seo, Young-min Kim Länge: 103 Min. von Jörn Behr |
Adam und die Schlange auf dem Weg zum Giftapfel Großstadt
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