Filmtipp filmspur@koelncampus.com
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30.06.2004 08:50 Uhr, The Other Final ("The Other Final") Hierzulande hat es wohl kaum einer mitbekommen, aber als am 30. Juni 2002 das WM-Finale zwischen Deutschland und Brasilien anstand, gab es ein weiteres bemerkenswertes Fußballspiel, das sogenannte ?Andere Finale?. Die beiden schlechtplatziertesten Mannschaften der FIFA-Rangliste, Montserrat und Bhutan, traten gegeneinander an. Eine Handvoll holländischer Fußballfans waren die Organisatoren des Alternativereignisses, die nach eigenen Angaben immer mehr Interesse an Fußballverlierern hatten, nachdem Holland sich nicht für die WM qualifizieren konnte. Sehr spontan und etwas naiv schickten sie zwei Faxe, woraufhin beide Länder begeistert zusagten und sofort mit den Vorbereitungen begannen. Montserrat, eine kleine Insel in der Karibik, leidet immer noch unter den Folgen eines verheerenden Vulkanausbruchs, der unter anderem auch das einzige Fußballstadion unbespielbar machte. So musste das ?Andere Finale? im Gegnerland Bhutan ausgetragen werden. Auch ohne viele Worte wird im Film deutlich, dass hier zwei Welten aufeinanderprallten: Bhutan ist ein altes im Himalaja gelegenes Königreich, das jahrhundertelang vom Rest der Welt isoliert blieb. Die Bhutanesen sind tief in ihrem buddhistischen Glauben verwurzelt und waren vom Eintreffen der einen Kopf größeren, siegessicheren Mannschaft aus Montserrat erst einmal eingeschüchtert, stimmten aber schnell in die karibische Fußballhymne (extrem schmissig: ?Feeling Hot Hot Hot?) mit ein. ?The Other Final? dreht sich um Fußball, wie wir ihn eigentlich gar nicht mehr kennen und stellt somit einen attraktiven Gegenpol zum kommerzialisierten WM-Finale in Tokyo dar. Es geht hier um den eigentlichen Geist des Fußballs, um Spielen aus Liebe zum Spiel, und das ist auch mit den einfachsten Mitteln möglich. So stellt der bhutanesische Radiomoderator treffend fest, dass das Stadion in Tokyo 528 Lautsprecher hat, also 527 mehr als das in Bhutans Hauptstadt Thimphu, die darüber hinaus alle funktionieren. Auch ließ sich für das ?Andere Finale? weder ein Sponsor auftreiben, noch wurden im völlig überfüllten Stadion Eintrittsgelder verlangt. Eigentlich sollte die ganze Welt dazu gezwungen werden, Johan Kramers Dokumentation dieser ungewöhnlichen Geschichte anzuschauen, es würde sie kollektiv glücklich machen. ?The Other Final? ist nicht nur hervorragend inszeniert und musikalisch unterlegt worden, sondern fängt vor allem die Leidenschaft und Spielfreude der beiden Fußballmannschaften in ästhetischen, detailverliebten Bildern ein. Selbst wer mit Fußball nichts anfangen kann, wird immer noch die Stimmung des Films lieben, zumal ja sehr viel mehr festgehalten wurde als nur das Finale an sich, nämlich die Kulturen zweier völlig unterschiedlicher Länder, die sich einander annähern. Das Spiel selbst schließlich ist extrem spannend und lustig (da sehr schlecht), und von solch wunderbar phantasievollen Kommentatoren kann der deutsche Fußball nur träumen. Dokumentarfilm, Niederlande 2003 OmdU Regie: Johan Kramer Länge: 88min von Jutta Weyand |

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